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| Dieter Philipp in der Kritik
| Nachdem der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) durch das Internetabenteuer Handwerk.de in finanziellen Schwierigkeiten geraten war, sollte gestern in Berlin auf einer eilig einberufenen Vollversammlung der Kammermitglieder, eine Lösung für die finanzielle Schieflage gefunden werden.
Um eine Überschuldung des ZDH zu vermeiden, müssten bis zum 30. Juni 2004 1,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Zusätzlich wären ca. 6,32 Millionen Euro für die "Enthaftung" des ZDH aus dem Handwerk.de-Desaster nötig. Der Präsident des ZDH, Dieter Philipp (Aachen) trat am Abend nach der Vollversammlung in Berlin vor die Öffentlichkeit. Laut Philipp, würden "Die Belastungen aus der Insolvenz von ca. 8,7 Millionen Euro von den Organisationen des Handwerks getragen". "Finanziert werde die zusätzliche Belastung durch die Beitragszahlungen der Kammern und Fachverbände an den ZDH sowie durch langfristige Kreditaufnahme", so Philipp weiter. Ebenso in Erwägung gezogen, werde die Aufnahme einer Hypothek auf Grundstück und Gebäude des Zentralverbandes in Berlin.
Philipp und sein Geschäftsführer Schleyer hatten gleich zu Beginn des ganztätigen Treffens die Vertrauensfrage gestellt, zu deren Ausgang mehrere Versionen kursieren. Während Philipp und Schleyer, die Vertrauensfrage als "eindeutig positiv beantwortet" sahen, sprachen mehrere Teilnehmer des Treffens von einer äusserst knappen Entscheidung.
Dieter Philipp ist innerhalb von Kammern und auf der politischer Bühne längst umstritten. Angesichts der anstehenden Änderungen der Handwerksordnung, politisch als Verhinderer und Blockierer gescholten, erfreut sich der vielbeschäftigte Präsident auch innerhalb des eigenen Verbandes nicht über allergrösste Zustimmung: die "Sächsische Zeitung" zitierte am Mittwoch den Präsidenten der Handwerkskammer Dresden, Dittrich, der als Wortführer weiterer sieben mitteldeutschen Kammern, Philipp und Schleyer aufforderte "laut heutigem Wissensstand, die politische Verantwortung zu übernehmen".
Philipp, bekannt als grosser Freund "bedeutender Veränderungen" - leider nur nicht innerhalb seines Verbandes - wird vielfach hinter vorgehaltener Hand Ziellosigkeit im Rahmen seiner Führungsaufgaben, sowie eine unbestrittene Neigung zur übertriebenen Selbstdarstellung vorgeworfen. Diese Vorwürfe sind nicht ganz neu: schon im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse im Jahre 2000 kam es beinahe zu einem Eklat, als der damalige Wirtschaftsminister Werner Müller, Philipp und Schleyer vorhielt, sie würden die ureigenen Interessen des Handwerks nur unzureichend wahrnehmen und vertreten; damals wie heute wurden diese Vorwürfe vehement bestritten und zum verbalen Gegenangriff geblasen.
Die Realsatire des Joachim Dirschka Einer der Philipp noch Rückendeckung gewährt, ist der Vizepräsident des ZDH und Präsident der Leipziger Handwerkskammer, Joachim Dirschka. Dieser verwies auf eine angebliche Mitschuld der Handwerksbetriebe an dem Handwerk.de-Desaster: Hätten sich diese mehr an dem Portal beteiligt, beispielsweise durch Schaltung von Werbung oder Inanspruchnahme kostenpflichtiger Angebote, wäre es nicht zu dem Fiasko gekommen. Allerdings vergisst er dabei zu erwähnen, daß die Handwerksbetriebe niemals im Vorfeld des Projektes hierzu befragt wurden; Dafür steht ihnen jetzt womöglich eine "moderate Erhöhung" der Mitgliederbeiträge in Zukunft bevor: Die Rede ist von 2 Euro pro Betrieb.
Diese Art der Argumentation kommt dem aufmerksamen Leser allerdings ziemlich bekannt vor: Schon nach dem Zerplatzen der New-Economy-Blase wurde abermals versucht, mit dem Kunden - der Sinnhaftigkeit und Nutzen der Projekte nicht verstanden hatte - als Schuldigen und der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Lage als erschwerenden Faktor, Ignoranz, mangelnde Kompetenz und einen tiefgreifenden Realitätsverlust der Führungsspitze zu verschleiern.
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